Siedlung und Gemarkung:

Alemannische Besiedlung der Gemarkung Lustnau wird durch einen Reihengräberfriehof des 7.Jh. bezeugt, der im Osten des heutigen Ortskerns im Gebiet der Weilerhaldenstraße und der Frottierweberei festgestellt wurde.

Der Ortsname tritt erstmals 1100 auf ,wo ein Angehöriger des Ortsadels Udalricus de Lustnow, als Zeuge einer Schenkung an das Kloster Hirschau genannt wird.

Der Ortskern bildet die Dorfstraße mit ihrer Verlängerung an der Kirche vorbei bis zum Rathaus.. Ein früher Siedlungsausbau sind die Gasthöfe an der Brücke über den Goldersbach, wo die Steigung der alten Schweizer Straße nach Pfrondorf begann. In der Fehde der Tübinger Grafen mit dem Grafen v.Hohenburg wurde der Ort am 24.März 1929 niedergebrannt.

Weitere Neubautätigkeit erfolgte südlich der Ammer zum Südhang des Österbergs hin und an der Pfrondorfer Straße. Auf der Gemarkung liegen mehrere abgegangene Siedlungen.

Das 1339 erwähnte Welzenwiler ist wahrscheinlich mit Welzenhäuser identisch. Als Weingarten 1297 und als Siedlung 1303 wird Studach (Stäudach) östlich des Herrlesberg genannt; es ist 1356 bereits verlassen. Auf Lustnauer Markung wird schließlich auch die nur 1229 einmal genannte Siedlung Stiffurt gesucht.

Die Gemarkung Lustnau erfuhr durch das Wirtschaftsland der Wüstungen eine starke Vergrößerung und umfasst heute 1432 ha. Dazu gehören auch 82 ha Wald, die der Ort 1822 zur Entschädigung für Nutzungsrechte im Schönbuch erhielt.

Herrschafts- und Besitzverhältnisse in früherer Zeit:

 Die Herren v. Lustnau denen der Ort gehörte, sind ein Ministerialengeschlecht der Pfalzgrafen v. Tübingen und hatten auch Lehen von den Grafen v. Hohenburg und den Herren v . Stöffeln.

Die bis 1466 bezeugte Familie stand mit dem Zisterzienserkloster Bebenhausen seit dessen Gründung in engen Beziehungen.

1256 erfolgte auch eine wichtige Schenkung an das Kloster Obermarchtal. Ein Ludwig v. Lustnau war zwischen 1296 und 1306 Schultheiß von Tübingen. Nachdem Lustnau allmählich fast ganz in den Besitz des Klosters Bebenhausen gekommen war, unterstand es der Klosterpflege, die ihren Sitz im Klosterhof am Goldersbach hatte.

1807/08 erfolgte die Aufhebung des Klosteramts und die Aufteilung der zugehörigen Orte auf die Oberämter Tübingen, Böblingen, Herrenberg und Freudenstadt. Lustnau kam damals zum Oberamt Tübingen.

Wirtschaft und Verkehr:

Im Mittelalter hat neben dem Ackerbau auch der Weinbau die Dorfflur geprägt.

Der Weinbau war in früher Zeit sehr ausgedehnt. Die Weingärten lagen am Herlesberg, am neckarseitigen Hang des Österbergs.Der Weinbau war bereits nach der Mitte des 19.Jh. auf etwa die Hälfte zurückgegangen und teils durch Anbau von Hopfen, teils durch Garten- und Obstbau ersetzt worden.

Die Mühle liegt unterhalb der ehemaligen Burgstelle, die Übrigens erst 1446 an Bebenhausen kam und zu der sie ursprünglich gehört

Neben der Waldarbeit boten in früher Zeit vor allem die auf der Markung liegenden Steinbrüche, eine Lehmgrube und die Kiesbänke am Neckar Möglichkeiten zum Zusatzerwerb für die kleinbäuerlichen Betriebe.Es ist daher erklärlich dass in Lustnau zahlreiche Maurer, Gipser und Zimmerleute beheimatet waren.

Die wichtigste Quelle für den Unterhalt der Bevölkerung wurde im 20Jh. Jedoch die Industrie. Der älteste größere Betrieb war die Brauerei beim Gasthof Ochsen. Sie ist seit 1810 von Ludwig Heinrich gegründet worden und beschäftigte bei Ausbruch des ersten Weltkrieges 45 Arbeiter, die meistens nicht aus Lustnau stammten.

Gemeinschaft und öffentliches Leben.

Der Ort hatte schon im späten Mittelalter eine recht staatliche Bevölkerungszahl. Die Einhebeliste des Gemeinen Pfennigs von 1496 nennt 90 Einwohner im Alter von mindestens 15 Jahren, während eine Statistik des Jahres 1598 in Lustnau 139 bürgerliche Einwohner verzeichnet. Einen schweren Rückschlag erlitt im Dreißigjährigen Krieg, in dem es 121 Männer verlor. 1653 werden in Lustnau nur noch 75 Männer gezählt. Das Dorf erholte sich jedoch schnell und hatte 1793 wieder 1156 Einwohner .Diese Zahl stieg bis 1902 auf 1826. Im 20. Jh. Ist im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Industrie ein rasches Anwachsen der Bevölkerung zu erkennen, die bis 1933 auf 3483 gestiegen war.Bis 1715 war Pfronorf, das damals zu selbständigen Gemeinde erklärt wurde mit Lustnau vereinigt.

1789 wurde am Kirchplatz ein Schulhaus erbaut. Der Schulneubau am Dorfacker erfolgte 1909 (Erweiterung 1959).

 

Heute hat Lustnau ca. 10.000 Einwohner/innen und ist der größte Tübinger Stadtteil. Der dörfliche Charakter blieb aber im alten Lustnauer Ortskern erhalten. Der historische Klosterhof konnte völlig renoviert werden und beherbergt heute das Therapiezentrum der Drogenhilfe Tübingen.

Quelle: Stadtarchiv Tübingen

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